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Geschichte

Gemeinde

Die Frage bezüglich der Stromversorgung durch ein gemeindeeigenes Elektrizitätswerk hat sich in der Vergangenheit wiederholt gestellt. So wurde im Oktober 1915 erstmals ein Gebietsabgrenzungs-Vertrag bei der Gemeinderatskanzlei aufgelegt. Im Jahre 1956 wurde der Bürgerversammlung ein Expertenbericht vorgelegt, welcher zum Schluss kam – Zitat: „Nachdem sämtliche Energie zugekauft werden müsste, würde es sich um ein blosses Wiederverkäufergeschäft handeln, deren effektive Erträge – schon im Hinblick auf die Aufwendungen in einem so ausgedehnten Verteilnetz mit Berggebiet – relativ bescheiden ausfielen würden. Zudem fehlt eine der tragenden Säulen in den Licht-, Kraft- und Wärmeenergie-Einnahmen durch die weitgehende Selbstversorgung von Industrie und Gewerbe mit eigenem Kraftstrom vollständig."

Erst kürzlich (1999), war die vom Kanton an die Firma Spoerry & Co. AG erteilte Wasserrechtskonzession am Schilsbach abgelaufen. Wären die damaligen verantwortlichen Politiker bereit gewesen das unternehmerische Risiko zu übernehmen, so hätten sie sich das Recht für die Nutzung der ansehnlichen Wasserkraft (5.5MW, 45Mio.kWh/a) zu eigen machen können. Der damalige Gemeinderat verzichtete jedoch auf jene einmalige Chance – wären doch möglicherweise dadurch ideale Voraussetzungen für ein gemeindeeigenes Werk und für die Zusammenführung der bestehenden Werke geschaffen worden.

Das Bild hat sich in der Vergangenheit ständig wiederholt. Je länger sich die Behörde mit einer Ablösung der privaten Elektrizitätswerke auseinander setzte, um so stärker wendeten sie sich andererseits vom damit verbundenen unternehmerischen Risiko ab. Die Behörden taten sich immer schwer mit der Realität für die Belange einer Stromversorgung.

Geschichte

Die Herkunft des Ortsnamens Flums ist auf die Römerzeit zurückzuführen und heisst „am Fluss gelegen“. Der Ursprung der Versorgungsnetze ist auf die reichlich vorkommenden Wasserkräfte zurück zu führen. Wer über Energie verfügte, versorgte in zunehmenden Masse und auf dem direktesten Wege Strombezüger in seiner Umgebung. An den beiden Dorfbächen betreiben heute noch neun Gewerbebesitzer ihre kleinen Stromerzeugungsanlagen zwecks Selbstversorgung mit elektrischer Energie (180kW Leistung). Die Dorfbäche in Flums gründen auf die Zeit der Erzverhüttung aus dem Gonzenbergwerk zurück (siehe „Die Gewerbebetriebe an den Flumser Dorfbächen" von Rudolf Gadient).

So war die eigentliche Ursache bei der EVU Flums AG der Kalkbruch Galtschina , bei der Martin Zeller AG die Chaterei, für das Werk von Marthy die Sägerei Portels, bei der Ortsgemeinde Murg die Sägerei Vontobel und schliesslich bei der Firma Spoerry & Co. AG die Spinnerei.

EVU Flums AG

  • Neyer Louis, Galtschina
  • 1894 : Rüsch

  • Dorfbach

Martin Zeller AG

  • 1890: Energiegewinnung aus Wasserkraft am Dorfbach, Martin und Emil Zeller
  • 1891: Wasserbezugsrecht Gsangquellen; Gebrüder Dr. Otto und Dr. Ludwig Mannhart
  • 1892: erste Wasserrechtskonzession Röllbach
  • 1907: eingetragen im Handelsregister seit dem 1. Januar 1907
  • 1915: eigenständiges Elektrizitätswerk
  • 1917: Dorfbach Vontobel / 1947 Burri Ernst
  • 1925: Ehehaftes Wasserrecht am Felsenbächli von Spoerry abgekauft
  • 1940: Wasserrechtskonzession Erweiterung Portlerbach
  • 1962: Erweiterung Wasserrechtskonzession Röllbach

EW Marthy

  • 1891: Gsangquellen; Gebrüder Josef u. Martin Marthy
  • 1958: Wasserrechtskonzession Portlerbach

Ortsgemeinde Murg

  • 1906-1912 Beeler Johann; 1912-1913 Marquart Meinrad, 1913-1914 Mullis Erwin, 1914-1936 Vontobel Ablbert, 1936-1946 Ortsgemeinde Murg, 1946-1960 Preisig Leo Senior, 1960-1992 Preisig Leo Junior, ab 1992 Preisig Urban
  • Kurhäuser Alpina, Gafrida, Sebenalp

EW Schils AG

  • Sagengüetli
  • Felsenbach
  • Bruggwiti Pravizin

Werke

Die Strukturen eines Elektrizitätswerkes bestehen in der Regel aus einem Anteil Stromproduktion, aus energieumsatzstarken Industriekunden und aus Versorgungsgebieten für Haushalte und Gewerbe mit mehr oder weniger starker Siedlungsdichte. Der hauptsächliche Nachteil für die EW’s selber liegt darin, dass ein Werk über die Stromproduktion samt grossen Kunden verfügt, die anderen aber die Randgebiete zu versorgen haben (Service Public), ohne dass ein interner Ausgleich der Kosten und Renditen stattfindet.

Die Stromversorgung in Flums ist somit auf fünf Werke verteilt:

  • EVU Flums AG, Wildhaber: Versorgung Teil Dorf
  • Elektrizitätswerk Marthy: Versorgung Kleinberg
  • Martin Zeller AG: Versorgung Teil Dorf, Hochwiese, Clevelau und Geisswiese
  • Ortsgemeinde Murg: Grossberg
  • EW Schils AG: Energieproduktion, Versorgung Industrie

Die in der Gemeinde Flums umgesetzte Energie wird zu 65% auf umweltfreundlichen Wasserkraft-Anlagen in der Gemeinde selbst produziert (inklusive Umsatz - aber ohne Produktion der Ortsgemeinde Murg). Leider wird aber dieser Eigenanteil spätestens im Jahre 2007 einen markanten Rückgang erfahren, auf Grund der übertriebenen Forderungen des 1992 vom Volk gutgeheissenen Gewässerschutzgesetzes. Waren doch unsere Wasserkraftanlagen über Jahrhunderte lang im Einklang mit der Natur sinnvoll genutzt worden, und haben zum Wohlstand unserer Gesellschaft beigetragen.

Fünf verantwortliche Unternehmer mit viel Pioniergeist und Mut sind unabhängig voneinander das unternehmerische Risiko eingegangen, leistungsfähige Versorgungsnetze zu bauen. Die Gesamtheit dieser Netze verkörpern heute einen Wiederbeschaffungswert in der Größe von 50 Mio. Franken. Diese gemeinwirtschaftliche Leistung musste unter zum Teil sehr schwierigen wirtschaftlichen Voraussetzungen auf privater Basis, ohne jegliche öffentliche Hilfe und mit viel Geschick und Fleiss auf die Beine gestellt werden.

Kunden

Das Verhältnis zwischen den EW’s und deren Kunden - mit der Ausnahme der Ortsgemeinde Murg - ist privatrechtlich. Der Anschluss ans Netz fällt unter die Regeln des Werkvertrages, der Bezug der Energie unter diejenigen eines Sukzessiv-Kaufvertrages. Zwischen den jeweiligen EW’s und deren Kunden werden einzelne Verträge abgeschlossen. Diese Verträge stützen sich auf Energietarife sowie auf Reglemente über die Stromlieferung und der Netzkostenbeiträge. Diese Reglemente wiederum lehnen sich an die allgemeingültige Regel der Technik und an die Normreglemente des Schweizerischen EW-Verbandes an, welchem wiederum jedes Werk wieder einzeln Mitglied ist. Die Werke versorgen heute in der Gemeinde Flums 4000 Haushalts- Gewerbe und Industriekunden mit einem Stromumsatz von 75 Mio. kWh.

Erwartungen an die Zukunft

Die auch von den Flumser Elektrizitätswerken befürwortete Liberalisierung mit dem neuen Elektrizitätsmarktgesetz und dessen Verordnung, wird ganz neue Voraussetzungen und Chancen für die Zukunft schaffen. Um den geschätzten Kunden eine topmoderne Dienstleistung bieten zu können, haben sich die Flumser Elektrizitätswerke dem Energiepool Rii- Seezpower angeschlossen. Von dieser Mitgliedschaft versprechen sie sich Kosteneinsparungen beim Einkauf von Energie vom Vorlieferanten Axpo, optimale Verwertung der eigenen produzierten Wasserkraft, sowie die Nutzung von Synergien in Verwaltung und Betrieb mittels vermehrter Zusammenarbeit. Es ist zu hoffen, dass die Kunden auch trotz des liberalisierten Strommarktes von der grösstenteils im Ort selber erzeugten und umweltfreundlichen Energie Gebrauch machen werden. Wieweit die rund 1'000 EWs in der Schweiz den Sinn und Zweck sehen, künftig die Selbständigkeit zu behalten, ist zur Zeit schwer abzuschätzen. Dies hängt weitgehend von der Annahme des Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) und dessen Verordnung durch den Souverän ab. Es ist durchaus möglich, dass in absehbarer Zukunft nur ein Drittel der heutigen Werke die Selbständigkeit behalten wird. Diesmal werden nicht die Schnelleren die Langsameren überholen, sondern die Grossen die Kleinen einverleiben. Es ist somit mit Zusammenschlüssen grösseren Ausmasses zu rechnen, verbunden mit Rationalisierungen und Abbau von Arbeitsstellen. Ebenso ist absehbar, dass nach einer Übergangsfrist wieder mit steigenden Strompreisen zu rechnen ist.